PWA – Apps installieren war gestern

Haben Sie auch schon die Grenzerfahrung gemacht, kein Netz oder kein Speicherplatz zu haben? In diesem Moment platzen Vorhaben wie Seifenblasen. Naturlehrpfad digital nachrüsten? Vogelart bestimmen mit der neuen App? Veranstaltungen auf der Vereinsseite filtern und buchen?

Da hilft nur Netzausbau und ein leistungsfähigeres Mobilgerät!
Oder – ganz einfach – eine progressive WebApp (kurz: PWA).
Diese neue Webtechnologie bringt bereits beachtenswerte Früchte hervor:

Eine PWA kombiniert die Vorzüge einer modernen Webseite mit denen einer App, die auch ohne Netz funktioniert. Sie muss nicht auf dem Gerät installiert werden und verspricht unabhängig von dem Geräte-Betriebssystem oder dem verwendeten Webbrowser auf allen mobilen Geräten und PCs zu funktionieren.

Die Möglichkeiten

Auch an Orten mit langsamen, unsteten oder punktuellem Netzempfang können PWAs als Webseiten  offline weiter durchblättert werden. Und es kommt noch besser. Dank PWAs können PCs,  Smartphones und Tablets spontan und einfach um neue Funktionen erweitert werden:

Das Mobilgerät von Lehrpfad-Gästen kann schnell in einen Audio-Guide verwandelt werden ohne Download einer App aus dem App-Store. Bestehende Routen lassen sich mit augmented reality an Geo-Koordinaten oder Infotafeln nachrüsten, so dass eine PWA z. B. Dia-Shows, Tierlaute oder 3-D-Erscheinungen einspielt. Kartenbasierte Apps, die bislang nur online und unter Verbrauch großen Datenvolumens arbeiteten, können durch eine schlankere, plattformunabhängige und offline arbeitende PWA ersetzt werden. Leitfäden und Infobroschüren können um interaktives und barrierefreies eLearning erweitert werden und auch temporäre Mitmach-Aktionen lassen sich mit PWAs einfacher begleiten. Denn eine PWA erspart das Entwickeln und Bewerben einer nativen App für mehrere Stores. Auch müssen neue Versionen nicht erst bekanntgegeben und vom Nutzer installiert werden, denn die aktualisierte PWA ist bei erneutem Laden für den Nutzer sofort  einsatzbereit.  Das und vieles mehr ist machbar.

Das Prinzip

Die PWA wird wie eine Webseite über eine Internet-Adresse (URL) in den Webbrowser des Geräts geladen. Die PWA kann im Gewand einer display-optimierten Webseite (responsive Webseite) erscheinen, muss aber nicht. In ihrem oft relativ geringen Datenvolumen stecken offline-fähige Anwendungen so komfortabel wie Installationen aus den App-Stores (native Apps). Allerdings werden PWAs nicht wie native Apps im Gerätespeicher abgelegt, sondern verbleiben im Webbrowser bzw. in seinem zugehörigen Speicher, dem Cache. Solange die PWA im Webrowser geöffnet bleibt oder dort mit  einem Lesezeichen versehen wurde, ist sie on- und offline bedienbar. Damit überflügeln PWAs die bereits verbreiteten Webseiten mit integrierten Anwendungen (Standard WebApps), die nur bei gutem Netz arbeitsfähig sind und beispielsweise eMails versenden, virtuell durch Städte führen oder Hotelbuchungen vornehmen.

PWAs bieten demnach Vorteile, die bisher entweder einer nativen App, einer Standard Webapp oder einer responsiven Webseite vorbehalten waren:

  • Eine PWA wird von Suchmaschinen gefunden und all ihre Inhalte können für eine höhere Platzierung in der Liste optimiert werden.
  • Ihre URL lässt sich leicht als Link weiterleiten und teilen oder als Barcode darstellen und darüber aufrufen.
  • Die Datenübertragung lässt sich durch eine https-Verbindung verschlüsseln.
  • Die Sicherheitsvorkehrungen und Einstellungen des verwendeten Webbrowsers schützen zusätzlich vor Manipulationen oder Gerätezugriffen.
  • Die PWA lässt sich ohne Umwege über App-Stores oder Deinstallationen beim erneuten Laden updaten.
  • Sie lässt sich auch leicht wieder vom Gerät entfernen, indem man die Webseite schließt und den Cache des Webbrowsers löscht oder Lesezeichen sowie Homescreen-Icons entfernt, die einst für den Offline- oder Dauer-Betrieb gesetzt wurden.
  • Sie wickelt ohne Unterbrechungen die offline getätigten Aufträge ab, sobald wieder Netzempfang vorhanden ist.
  • Und sie kann mit Erlaubnis des Nutzers auf viele Gerätefunktionen wie Kamera, Bildschirmausrichtung oder Kompass zugreifen.

Herausforderungen

Der Begriff „progressiv“ in „progressive WebApp“ steht dafür, dass die PWA unabhängig vom eingesetzten Betriebssystem (z. B. Android, iOS, Microsoft,…) und Webbrowser (Firefox, Google Chrome, Safari, Opera, …) auf allen Geräten gleichermaßen funktioniert. Dem ist in der Realität noch nicht ganz so. Bei der Entwicklung einer PWA ist bislang sehr wohl die Verbreitung der diversen Betriebssysteme noch zu beachten und eng mit ihnen verknüpft die passendsten Webbrowser. Denn ob und wie Programm-Bausteine einer PWA vom jeweiligen Webbrowser umgesetzt werden, kann sich noch erheblich unterscheiden. Beispielsweise unterstützt bislang nicht jeder Webbrowser den Funktionsbaustein „Push-Nachrichten“ oder „virtuelle reality“. Denn der Wettlauf zwischen den treibenden Kräften wie Google, Apple und Microsoft  ist noch nicht abgeschlossen.

Außerdem können die persönlichen Voreinstellungen im Gerät und im Webbrowser die diversen PWA-Funktionen ausbremsen bzw. die Nutzerführung hin zum multimedialen Erlebnis erschweren.

Und obwohl PWAs den klaren Vorteil haben, spontan und einfach „installiert“ werden zu können, sie benötigen dennoch zumindest temporär Zugang zu einem mehr oder weniger schnellen Netz. Das gilt auch, wenn die PWA aktualisiert oder mit dem Webserver ohne Wartezeit interagieren soll. In der Projekt-Konzeption wird also die Ortswahl für den Internetzugang ein wichtiger Aspekt. Aber auch das haben wir für Sie im Blick und die geplatzten Seifenblasen sind passé. Wir freuen uns, wenn wir Ihr Vorhaben wahr werden lassen.